Aber nun zu den neuen Gesichtern: Da wäre zum einen Sarah.
Eine 28-jährige Französin, die ihren Job in Frankreich gekündigt hat, um ein
wenig weiter die Welt zu erkunden und um im Ausland zu arbeiten. Sie hat
bereits eine Zeit lang in den USA und in Mexiko gelebt. In Mmabana hilft sie im
Business-Bereich mit und ist gerade dabei in Zusammenarbeit den Grundstein für
das Mmabana-Tailoringprogramm zu legen. Hierzu aber später noch etwas mehr.
Richtig cool finde ich auch ihre Internetseite, auf der sie
über beeindruckende Persönlichkeiten, die ihr auf ihrer Reise nun begegnen,
schreibt. www.extraordinaire-worldtour.com
Ist zwar alles auf Französisch, aber selbst für mich mit meinem eingerosteten
Schulfranzösisch gut verständlich. Falls ihr ein paar Französischkenntnisse
habt, solltet ihr auf jeden Fall mal dort vorbeischauen.
Mit Sarah teile ich mir jetzt, seitdem über einem Monat
bereits, mein kleines Zimmer mit dem Hochbett und wir haben’s mittlerweile auch
mal geschafft morgens joggen zu gehen :D
Mit Sarah über Südafrika ist auch Pierre-Yves aus
Deutschland gekommen. Er ist Jonnys Bruder und leidenschaftlicher Filmemacher
und seitdem er hier ist auch Fotograf. Er dreht über die verschiedenen
Mmabana-Aktivitäten wie Kids Club, Reading & Writing Club und Outreach
kurze Filme, die Mmabana dann für Informations- und Werbezwecke nutzen kann.
Ebenso hat er für die Friends of Mmabana die Fotomotive für die neuen
Weihnachtskarten für dieses Jahr geschossen. Er teilt sich hier nun mit Jakob
ein Zimmer und bereichert unser Leben mit Scons und Muffins.
Jonny ist mittlerweile auch wieder hier. Er ist mit seiner
Freundin Lisa aufgrund technischer Probleme am Auto ein paar Tage nach Sarah
und Pierre-Yves aus Lusaka gekommen. Lisa blieb für etwas länger als eine Woche
bei uns und hat das sambianische Leben nochmals kennen gelernt. Viel Zeit wurde
mit unseren Nachbarskindern verbracht und ein Trip nach Livingstone zu den
Victoria Falls mit dem ganzen Haus war auch drin. Etwas enttäuschend
vielleicht, da der Sambesi zu dieser Jahreszeit, kurz bevor bzw. am Anfang der
Regenzeit, nur sehr wenig Wasser führt und nur ein kleiner Streifen Wasser an
der großen Felswand in die Tiefe stürzt, aber als „Familien-/Hochzeitsausflug“
doch genial.
So kommen wir jetzt mal zur Arbeit. Das
Mmabana-Tailoringprogramm besitzt im Großen und Ganzen zwei Aspekte. Zum Einen
sollen Schuluniformen geschneidert werden und zu einem sehr günstigen Preis an
Schülerinnen und Schüler verkauft werden, die sich ansonsten die teuere von der
Schule direkt angebotenen nicht leisten können. So unterstützt Mmabana noch
weiter die Bildungsmöglichkeiten für finanziell benachteiligte Kinder,
allerdings wird so auch das Einkommen für die Schneider und ihre Familien
gesichert. Zum Anderen wird aus typisch afrikanischem/sambianischem Chitenge-Material
Kleidung für Europa und Südafrika geschneidert. Chitenge sind Tücher, die von
Frauen hier eigentlich immer getragen werden. Sie sind an sich sehr praktisch
und ich habe mich mit ihnen auch schon angefreundet. Besonders zum Kochen sind
sie nützlich, aber mit Chitenges werden auch die Kinder auf dem Rücken
getragen.
Hieran arbeiten Sarah und Pierre-Yves gerade. Wir, also
eigentlich jeder im Shampande-Haushalt inklusive Lisa hat sich irgendetwas aus
dem Material schneidern lassen. Jakob hat z.B. ein Hemd und Schlafhosen geordert
oder Sarah, Lisa und ich haben uns Kleider und Röcke machen lassen. Pierre-Yves
war der große Designer hinter allem und am Ende dann auch der Fotograf, der
seine Models, also uns und ein paar von den einheimischen Jugendlichen, für den
Katalogshoot in Szene gesetzt hat. Die Kleidungsstücke sind alle
maßgeschneidert und wunderschön. Unsere Schneiderin ist schon beeindruckend,
denn sie schafft es als alleinerziehende Frau ihre drei Kinder großzuziehen und
unsere teilweise abgedrehten Wünsche an der Nähmaschine zeitweise mit dem
Jüngsten an der Brust umzusetzen. So viel als kleinen Ausblick..
In meinen Projekten ist seit dem letzten Blog doch auch
einiges passiert.. Um nicht zu weit abzuschweifen, werde ich mich diesen Blog mal
auf Outreach beschränken. Dort waren die letzten zwei Monate doch ziemlich
turbulent.
Wir hatten einen riesigen Grund zu feiern, da die Toilette,
die für unseren Klienten Mr. Peter gebaut wurde, endlich fertig gestellt wurde.
In Mmabanagrün gestrichen wurde sie groß, feierlich und offiziell überreicht.
Nosiku, die Leiterin Mmabanas und unsere Chefin, hat eine Rede gehalten und
viele leitende Mitglieder der Organisation waren anwesend. Selbst der DOW, der
Stellvertreter des „Bürgermeisters“ hat uns und Mr. Peter die Ehre erwiesen und
ein paar Worte an alle gerichtet. Dieser Tag war ein sehr besonderer im Leben
von Mr. Peter und er war überglücklich.
Weniger als eine Woche nach der feierlichen Übergabe der
Toilette ist der gute Mr. Peter verstorben. Ein Schock für uns alle und Grund
zur Trauer.
Mr. Peter war eine so beeindruckende Persönlichkeit. Er
konnte trotz seiner problematischen Umstände doch noch lachen. Mr. Peter lebte
nicht nur in einem winzigkleinen Haus ohne Strom und fließend Wasser, sondern war
auch noch körperlich gehandicapt. Um zu laufen brauchte er immer Gehhilfen oder
wenigsten einen kleinen Schemel zum Abstützen. Er war ein gläubiger Mensch und
immer soo glücklich, wenn wir in besucht haben.
Als Sarah ihn das erste Mal mit uns besucht hat, meinte sie
„über ihn muss ich schreiben... er ist so eine starke Persönlichkeit“. Ein
Artikel über ihn und auch ein Foto findet ihr auf ihrer Internetseite.
Ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, dass er von
uns gegangen ist. 2 Tage nach seinem Tod fand die Beisetzung statt. Wir und
einige andere Mitglieder Mmabanas waren auf seiner Beerdigung, um ihm die
letzte Ehre zu erweisen und uns von ihm gebührend zu verabschieden.
Ich habe jetzt nicht so viel Ahnung von Beerdigungen in
Deutschland oder Europa, aber hier ist es doch noch mal anders. Zuerst haben
wir die Kirche besucht, wo eine Andacht gehalten und der Leichnam noch mal
gezeigt wurde. Anschließend sind wir, also die Gäste auf einem Truck zum
Friedhof gefahren. Der Sarg und die Angehörigen sind separat mit einem Pick-up
gefahren. Die Verwandten haben auf dem Weg zur und in die Kirche und auch
danach laute Trauerschreie von sich gegeben und herzzerreißend geweint. Auf dem
Weg zum Friedhof, während der Beisetzung und bereits in der Kirche wurde von
den Frauen fast durchgehend Lieder gesungen. Nachdem der Sarg in das Grab
gelassen wurde wird noch mal ein Wort Gottes gesprochen und dann werfen
zunächst die Angehörigen und der Pastor eine Hand voll Sand in die Grube.
Danach dürfen ungefähr alle anwesenden jungen Männer dabei helfen mit Schaufeln
das Loch zu füllen und einen Haufen darüber aufzuschichten.
Zum Abschluss werden nach und nach alle Verwandten, Freunde,
Bekannte, Würdenträger etc. aufgerufen, um Blumen auf das Grab zu stecken und
Reden werden gehalten.
Als Frau trägt man zu so einem Anlass einen Chitenge und wie
sonst auch üblich schwarz.
Wir haben die Familie anschließend nicht mehr besucht, aber
wie es hier üblich ist, haben wir sie mit Lebensmitteln und ähnlichem für die
Bewirtung der Trauergemeinde unterstützt. Normalerweise hilft man der
trauernden Familie z.B. auch mit Kochen oder Hausarbeit und stattet ihnen einen
Besuch ab.
Tod ist hier ein sehr gegenwärtiges Thema und diese
Beerdigung war bereits die Zweite, die Jakob und ich hier besucht haben.
Wir hatten in unserer letzten Zeit hier allerdings nicht nur
Trauer, sonder auch glückliche Momente, die wir miterleben durften. So hatten wir die Möglichkeit eine
Hochzeit mitzuerleben und dort etwas zu feiern.
So viel erstmal zu diesem etwas traurigerem
Blogeintrag.. der nächste wird wieder etwas fröhlicher und lässt auch
hoffentlich nicht so lange auf sich warten.
Twatotela für’s Lesen (Danke ist auch ungefähr mit das
einzige Wort, dass ich in Bemba kann) und liebste Grüße aus Sambia, wo das
Wetter im Moment ziemlich große Stimmungsschwankungen hat. Zwischen ungefähr
50° mit knallendem Sonnenschein und kalten heftigen Regenschauern ist im Moment
alles dabei. Die Regenzeit fängt gerade an.
Megan

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